Praxis Carola Pengel

EMDR Traumatherapie

emdr traumatherapieDie EMDR Traumatherapie ist ein interaktives Psychotherapieverfahren, das eingesetzt wird, um psychischen Belastungen zu begegnen. EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing. Traumatische und schmerzhafte Erinnerungen können, wenn sie nicht komplett verarbeitet werden, zu posttraumatischem Stress führen. Diese unverarbeiteten Erinnerungen werden dann wieder erlebt, wenn sie durch Geräusche, Worte oder Gerüche ausgelöst werden. So ein wiederholtes Erleben führt zu einem emotionalen Stresszustand und zusätzlichen Beschwerden. Dies wird als posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bezeichnet.

Ziel der EMDR Traumatherapie

Ziel der EMDR Traumatherapie ist es, die Symptome des Traumas durch eine Veränderung der Abspeicherung der Erfahrungen im Gehirn zu reduzieren. Einfach ausgedrückt, führt ein/eine EMDR-TherapeutIn Sie durch eine Abfolge von bilateralen Augenbewegungen, während Sie sich die traumatischen oder auslösenden Erfahrungen in einzelnen Schritten wieder ins Bewusstsein rufen, bis diese Erlebnisse kein Leiden mehr hervorrufen. Die EMDR Traumatherapie wurde zunächst für die Traumabehandlung und die Bewältigung von posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) konzipiert. Sie kann jedoch auch zur Linderung der Symptome anderer psychischer Störungen eingesetzt werden, besonders wenn diese mit früheren Traumatisierungen in Zusammenhang stehen.

Die 8 Phasen der EMDR Traumatherapie

Die acht Behandlungsphasen der EMDR Traumatherapie sind ein Leitfaden über mehrere Sitzungen hinweg:

  1. Anamnese und Behandlungsplanung: In der ersten Phase werde ich Sie bitten, mir mehr über Ihre medizinische und psychische Geschichte zu erzählen. Dies hilft mir, Ihr individuelles Bedürfnis besser zu verstehen. Wir werden auch darüber sprechen, welche traumatischen Ereignisse oder belastenden Erinnerungen Sie behandeln möchten. Eine mögliche Kontraindikation wird in der ersten Sitzung ebenfalls ausgeschlossen. Dadurch wird sichergestellt, dass keine Gegebenheit gegen diese Art der Therapie spricht.
  2. Stabilisierung und Vorbereitung: Wir sollten im Vorfeld genug Zeit zum Kennenlernen und zum Aufbau einer vertrauensvollen Arbeitsbeziehung gehabt haben. Gemeinsam werden wir Bewältigungsstrategien und vielleicht Entspannungstechniken erlernen, die Ihnen während der Behandlung helfen. Diese Ressourcen dienen dazu, dass Sie sich während des Prozesses stabil und unterstützt fühlen können. Eine solide Selbstregulationsfähigkeit ist unbedingt nötig.
  3. Einschätzungen und Bewertungen: Falls nicht in einer vorherigen Sitzung bereits geschehen, wählen Sie das belastendste Ereignis aus, das Sie verarbeiten möchten. Der Erinnerung wird ein Bild, ein positiver und negativer Gedanke, eine Emotion und ein Belastungsgrad mit Körperempfindung zugewiesen. Dabei achte ich darauf, dass Sie sich wohlfühlen und bereit sind, sich mit der Erinnerung auseinandersetzen. 
  4. Durcharbeitung/Prozessieren: In dieser Phase werden die traumatischen Ereignisse in kleinen Schritten durch Reizung der Sinne und Gemütserregungen angesprochen. Während Sie an das traumatische oder beunruhigende Ereignis denken, werde ich Sie bitten, mit Ihren Augen meinen Fingern zu folgen. Dieses bilaterale Stimulationsverfahren und die schnelle Abfolge von Sinneseindrücken und Gedanken sollte Ihre emotionalen Belastungen schrittweise reduzieren.
  5. Verankerung: Gemeinsam entwickeln wir positive Gedanken oder Affirmationen, die die negativen Überzeugungen, die mit der Erinnerung verbunden sind, ersetzten. Die Verankerung erfolgt ebenfalls über die bilaterale Stimulation, während Sie an eine bestimmte Szene + Ihren positiven Gedanken denken.
  6. Körpertest: Ich werde Sie bitten, Ihren Körper auf Empfindungen zu prüfen. Bei Missempfindungen wird die bilaterale Stimulation fortgesetzt, während Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf richten und bemerken können, wie sich etwas verändert. 
  7. Abschluss: Nach der Verarbeitung überprüfen wir gemeinsam Ihren emotionalen Zustand. Wenn nötig, wiederholen wir den Prozess für andere belastende Erinnerungen. Zum Abschluss entspannen wir uns und lassen die Sitzung langsam ausklingen.
  8. Überprüfung und Neubewertung/Nachbearbeitung: In einer nächsten Sitzung werde ich Sie fragen, wieviel Veränderung erreicht wurde, ob wir es so belassen können oder, ob die Erinnerung nochmals bearbeitet werden sollte. Sobald diese Erinnerung vollständig integriert ist, können wir neue Szenen erfassen. Es ist jedoch nicht sinnvoll, eine Exposition nach der nächsten zu machen. Dazwischen braucht es Zeit.

Adaptive Informationsverarbeitung

EMDRDie EMDR Traumatherapie basiert auf dem Modell der adaptiven Informationsverarbeitung, einer Methode zur Beschreibung der Speicherung von Informationen im Gehirn. Sie basiert auf der Annahme, dass das Gehirn normale Erinnerungen anders abspeichert als traumatisierte. Wenn es sich um ein normales Ereignis handelt, speichert das Gedächtnis die Erlebnisse ohne Probleme. Es verknüpft sie auch miteinander, sodass sie mit anderen Erfahrungen in Verbindung gebracht werden können.

Diese Verbindung gelingt nicht richtig, wenn ein Ereignis beunruhigend oder erschütternd ist. Das Gehirn kann abschalten und es entsteht eine Diskrepanz zwischen dem, was Sie empfinden (fühlen, hören, sehen) und dem, was Ihr Gedächtnis in Form von Gedanken abspeichert.

Häufig werden Erinnerungen an ein Trauma vom Gehirn so gespeichert, dass eine natürliche Verarbeitung nicht möglich ist. Ein traumatisches Erlebnis ist wie eine Verletzung, bei der das Gehirn nicht in der Lage war, sie zu heilen. Da das Gehirn keine Gelegenheit zur Heilung hatte, hat es auch keine Botschaft empfangen, dass die Bedrohung zu Ende ist. Neue Erlebnisse können eine Verbindung zu früheren traumatischen Erlebnissen herstellen und eine schlimme Erinnerung wieder und wieder hervorrufen. Das Ergebnis ist eine Unterbrechung der Verknüpfungen zwischen Ihren Sinneseindrücken und Ihren Erinnerungen. Es fühlt sich an wie eine Verwundung der Psyche. So wie Ihr Körper sensibel auf den schmerzhaften Aspekt einer Wunde reagiert, reagiert auch Ihr Gehirn sensibler auf das, was Sie während des traumatischen Erlebnisses sahen, hörten, rochen oder fühlten.

Das gilt nicht nur für Erinnerungen, an die Sie sich noch erinnern können. Es gilt auch für unterdrückte Erlebnisse. Genauso wie man lernt, eine heiße Kochplatte nicht zu berühren, weil man sich sonst die Hände verbrennen könnte. Der Verstand versucht, diese schmerzhaften oder beunruhigenden Ereignisse zu verdrängen, um sie nicht abrufen zu müssen. Diese Wunde kann jedoch weiterhin negative Emotionen, Symptome und Handlungen auslösen.

Wie wirkt EMDR auf das Gehirn?

Um traumatische Ereignisse und Erinnerungen zu verarbeiten, hat unser Gehirn einen natürlichen Mechanismus. Dieser Mechanismus umfasst die Interaktion zwischen der Amygdala, dem Hippocampus und dem präfrontalen Kortex. Der Hippocampus ist für das Lernen zuständig, der präfrontale Kortex für die Analyse von Emotionen. Traumatische Erlebnisse können in den meisten Situationen von selbst verarbeitet und überwunden werden. Es kann aber auch vorkommen, dass sie nicht ohne Hilfe bewältigt werden.  

Zu den natürlichen Instinkten des Menschen, zu kämpfen, zu fliehen oder zu erstarren, gehören Stressreaktionen. Dauert die Anspannung nach einem belastenden Ereignis an, können die belastenden Gefühle, Bilder und Gedanken zu einem überwältigenden Empfinden werden, wieder in jenem Zeitpunkt zu sein. Das Erlebte wird nach der EMDR Traumatherapie immer noch in Erinnerung gerufen, aber die Reaktion des Kampfes, der Flucht oder der Erstarrung, die das ursprüngliche Ereignis hervorgerufen hat, wird aufgehoben.

Vorteile einer EMDR Traumatherapie

  • Bei der EMDR Traumatherapie ist es nicht notwendig, dass die traumatisierenden Geschehnisse der vergangenen Zeit im Detail wieder erlebt werden.
  • Das Trauma wird nicht über einen längeren Zeitraum analysiert. Das ist der Rahmen einer Gesprächstherapie besser möglich.
  • Die EMDR Traumatherapie erfolgt gleichzeitig auf der Ebene des Verstandes, des Körpers und der Emotionen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg, wenn es darum geht, Einsicht in die Ursachen eines Traumas mit einer Lösungsfindung in Einklang zu bringen. 
  • Das traumatische Erlebnis, das während der EMDR Traumatherapie noch einmal durchlebt werden muss, ist von relativ kurzer Dauer. Die Verarbeitung findet gleichzeitig mit der Erinnerung statt.

Die EMDR Traumatherapie ist nicht für jeden Menschen geeignet. Darüberhinaus gibt es medizinische Kontraindikationen, wie z. B. Epilepsie oder schwere Augenerkrankungen, bei denen die Augenbewegungen während EMDR problematisch sein könnten.

EMDR

Carola Pengel - Traumatherapie Hannover - Methoden

EMDR ist in der Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung und anderen Traumafolgestörungen wirksam. Mittlerweile findet die Methode aber auch bei Angststörungen, Phobien, Depressionen, Schmerzzuständen, substanzgebundenen Süchten (besonders im Zusammenhang mit einer Traumafolgestörung) Anwendung und die Indikation weitet sich immer mehr aus…..

Homöopathie, Schulmedizin und die Frage der wissenschaftlichen Anerkennung

Homöopathisch zu arbeiten, bedeutet für mich keinesfalls, schulmedizinische Verfahren pauschal abzulehnen. Notwendige Medikamente werden nicht abgesetzt, anderweitig erforderliche Maßnahmen werden nicht verzögert, schulmedizinische Untersuchungsergebnisse und Laborwerte helfen mir sogar zur klinischen Orientierung und als Verlaufsparameter. Einziger Maßstab einer Behandlung darf hier das Wohl eines Menschen sein.

Eine Erklärung des Wirkmechanismus der Homöopathie ist derzeit nicht bekannt.

George Vithoulkas (Homöopath und Träger des alternativen Nobelpreises) hat einmal gesagt: „… hätten die Wissenschaftler, die die Elektrizität entdeckten, darauf bestanden, dieses Phänomen vor seinem Einsatz erst erklären zu können, dann stünden wir höchstwahrscheinlich heute noch im Dunklen.“

Es liegen inzwischen einige hochinteressante Studien und Forschungsprojekte zur Homöopathie vor, die ihre Wirksamkeit nicht nur auf Placebo-Wirkungen reduzieren.
Wenn Sie sich umfassend über den Stand der Homöopathie-Forschung informieren wollen, weise ich auf folgende Websites hin:

https://www.vkhd.de/therapeuten/homoeopathie-forschung
https://www.dzvhae.de/homoeopathie/forschung
https://www.carstens-stiftung.de/homoeopathie.html
http://www.wisshom.de
http://www.informationen-zur-homoeopathie.de
https://www.arscurandi.de/forschung-homoeopathie/grundlegende-einfuehrung/
https://www.hri-research.org/de/informationsquellen/homeopathy-faqs/
https://www.vithoulkas.com/research/scientific-papers

Ego-State-Therapie

Ego-State-Therapie ist eine psychotherapeutische Methode, die von einer inneren Vielfalt ausgeht und gut mit anderen Ansätzen kombiniert werden kann.

Der Psychoanalytiker Paul Federn hat den Begriff „Ego State“ eingeführt, da Freuds Konzept der seelischen Instanzen – Ich, Es und Über-ich – die Komplexität unser Persönlichkeit nicht ausreichend erfassen konnte.

Helen und John Watkins entwickelten das Persönlichkeitskonzept Ego States = Ich-Zustände ab 1980 dann weiter zu einer eigenständigen Therapieform – der Ego-State-Therapie.

Gerade um die Vielschichtigkeit der menschlichen Persönlichkeit, ihre inneren Widersprüche und Spannungen, aber auch für verletzte Bereiche unserer Seele eine anschauliche Vorstellung zu haben, hat sich das Ego-State-Modell in der Praxis bewährt.

Demnach gibt es kein konsistentes Ich in uns, sondern wir bestehen aus verschiedenen Anteilen, den Ich-Zuständen. Die meisten bilden sich in der Kindheit. Manche Ego-States entstehen als Folge einer Dissoziation, die das Überleben angesichts maximaler Bedrohung ermöglichten. Jeder dieser Ich-Zustände hat eigene Persönlichkeitszüge, Emotionen, Denkweisen und Fähigkeiten.

Wenn wir sagen „ein Teil von mir“ sprechen wir über einen Ego-State. Die verschiedenen Ich-Zustände bereichern unser Leben – aber manchmal sind zwei Ego-States miteinander im Konflikt, dann fühlen wir Ambivalenz und haben Mühe, eine Entscheidung zu treffen. Auch ein unruhiger, verdrängter oder abgespaltener Ich-Zustand erzeugt eher unerwünschte emotionale Reaktionen. Kurz: Probleme entstehen, wenn verschiedene States nicht miteinander in Kontakt sind oder gegeneinander arbeiten, weil sie unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse und Entwicklungsstadien haben.

Gerade traumatisierte Menschen erleben oft große Angst – auch mit dem Gedanken verrückt zu wenden – wenn sie erstmalig ihre autonomen Persönlichkeitsanteile in sich wahrnehmen und ihre Dissoziation realisieren. Jemandem dann zu vermitteln, dass die Existenz von Ego-States eine kreative Strategie ihrer Psyche ist, um belastende Ereignisse überstehen zu können, wirkt oft schon als Entlastung für die Betroffenen und damit als erster Stabilisierungsschritt.

Unter dem Konstrukt „Ego-State“ ist es möglich, direkt mit dem Persönlichkeitsanteil zu arbeiten, dem Veränderung gerade am meisten nützt, z.B. durch Imaginationen oder Aufstellungen. So kann der/die Klient*in Zugang zu bisher nicht zugänglichen Erinnerungen und Gefühlen gewinnen und eine innere Verarbeitung wird möglich.

In der Therapieform geht es also vor allem darum, zu möglichst vielen Anteilen verbindende Kontakte zu knüpfen, um eine intrapsychische Kommunikation herzustellen. Zentrales Anliegen der Ego-State-Arbeit ist, die einzelnen Anteile durch Aufbau einer wertschätzenden Beziehung und ihre Vernetzung miteinander in ein inneres Team zu integrieren. Ein Nebeneinander von widerstrebenden Tendenzen und Meinungen darf sein, Kooperation und innere Demokratie wird angestrebt, da alle Anteile für den Gesamterhalt des Systems wichtig sind. Die hierdurch ermöglichte Zusammenarbeit der inneren Anteile führt langfristig zu einer erfolgreichen Bewältigung von Alltagssituationen.

Anwendungsbereiche der Egostatetherapie sind z.B. Traumafolgestörungen (Posttraumatische Belastungsstörung oder dissoziativen Persönlichkeitsstörungen) und auch Borderline-Persönlichkeitsstörungen.

DAI

Dialogische aktive Imagination (im folgenden DAI genannt) wurde von Gerhard Tiemeyer entwickelt und bedient sich der nicht-direktiven Form der Hypnose und beinhaltet keine Suggestionen durch den Therapeuten/die Therapeutin. Es wird bewusst mit den eigenen inneren Bildern, Gedanken und Selbsterfahrungen gearbeitet.

Die Beschreibung der Methode stammt vom Begründer selbst:

„DAI ist eine Methode, mit Vorstellungen, Imaginationen so zu arbeiten, dass ein Gespräch mit dem Unbewussten möglich wird. Die Methode verbindet Elemente der Hypnose und der gewaltfreien Kommunikation mit tiefenpsychologischen Erfahrungen nach C.G. Jung.“

Dialogische aktive Imagination

» ist autonomiefördernd
» wirkt auf der Ebene der Verhaltensänderung effektiv
» kann eine tiefenpsychologische, persönlichkeitsbildende Erfahrung anstoßen und begleiten
» trainiert achtsames Bewusstsein und eine demokratische, gewaltfreie Haltung mit sich und mit anderen

Hypnosystemische Methoden

Etwa um 1980 entwarf Dr. med. Gunther Schmidt sein hypnosystemisches Integrationsmodell. In diesem verband er das systemisch-konstruktivistische Denken mit den Ressourcen- und lösungsorientierten hypnotherapeutischen Konzepten von Milton Erickson zu einem ganzheitlichen Konzept, das sich in Anlehnung an aktuelle neurophysiologische Forschungsergebnisse kontinuierlich weiterentwickelt.

Nach Schmidt wird alles Erleben durch Aufmerksamkeitsfokussierung erzeugt. Jedes Individuum konstruiert – meist unbewußt – jeden Moment seines Lebens, mit Hilfe seiner fünf Sinne.

Auch ein Problem ist eine selbsterzeugte Realität, die in zwei Teilbereiche aufgespaltet ist. Es braucht einen erlebten IST-Zustand und einen davon abweichenden gewünschten SOLL-Zustand. Probleme sind so als Botschafter von Bedürfnissen zu verstehen. Oft unbewußt, richten wir unsere ganze Aufmerksamkeit auf ein Problem. Unsere Wahrnehmung ist dann so eingeschränkt, dass wir in eine Art Problemtrance fallen und Lösungen nicht mehr sehen können.

Wesentliches Arbeitsziel ist es, einem Menschen seine unbewußten Ressourcen zugänglich und nutzbar zu machen, damit er/sie umfokussieren kann und aus seiner/ihrer Problemtrance herausfindet. Dabei bietet die Verbindung systemischer Beratungskonzepte mit den kompetenzorientierten Hypnokonzepten neue Wege.

Wie im systemischen Ansatz üblich, findet sowohl das innere System (inneres Team, Episodengedächtnis, eigene Wahrnehmung) als auch das äußere System (Familie,  Freundschaften, Arbeitsbeziehungen) Beachtung. Während die systemische Therapie sich jedoch vor allem auf musterhafte Dynamiken innerhalb von Beziehungssystemen konzentriert, wird hier die Betrachtung durch Einbeziehung der Psyche des betroffenen Individuums erweitert. Individuelle Verhaltensweisen, Reaktionen und Emotionen werden durch intrapsychische Musterdynamiken erklärt, die aus der Hypnotherapie von Erickson stammen.

Auch der Hypnosystemische Ansatz arbeitet mit dem Konstrukt der Persönlichkeitsanteile –  den Ego-States – ähnlich wie Schulz von Thun mit dem „inneren Team“. Menschen werden als multiple Persönlichkeiten mit vielen Ichs verstanden. Ein Teil-Ich kann dann z.B. süchtig sein oder sich depressiv fühlen. Diese Ich-Anteile werden abhängig vom Kontext und einer Bezugsgruppe aktiviert und gelebt. Das impliziert, dass niemals der ganze Mensch süchtig ist oder in einer Depression steckt. Es gibt in ihm/ihr auch andere Seiten, wo er/sie kompetent und kraftvoll ist. Diese Erlebnisnetzwerke des Gehirns sind nur gerade nicht aktiviert.

In die hypnosystemische Betrachtungsweise fließen stets aktuelle Erkenntnisse der Neurobiologie, der Embodiment- und der Resonanz-Forschung ein. Hieraus werden alle Strategien abgeleitet. Da jedes Erleben immer kontextbezogen und autopoietisch erzeugt wird, stellt es eine autonome Leistung dar. Im Fokus der Therapie steht die Aktivierung einer optimalen Selbststeuerung des Klienten/der Klientin und die kontinuierliche Überprüfung der Zieldienlichkeit für seine/ihre Anliegen. Hypnosystemische Interventionen, wie Alltagstrancen im Gespräch, werden genutzt, damit Menschen lernen, wie sie zieldienlichere Kompetenznetzwerke selbstständig aktivieren. So können sie ihre Wahrnehmung eigenständig verändern und ein positiveres Erleben erzeugen. Diese Erfahrung stärkt das Gefühl der Selbstwirksamkeit und beugt emotionale Abhängigkeiten vom Therapeuten vor.

Dieser Text wurde von mir in eigenen Worten wiedergegeben – die Quelle sind Seminare von Gunther Schmidt und sein Buch „Liebesaffären zwischen Problem und Lösung. Hypnosystemisches Arbeiten in schwierigen Kontexten.“

Systemische Therapie

Die Systemische Therapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren.

Sie hat keinen konkreten Vater oder eine Mutter, vielmehr hat sich die Therapieform aus der Familientherapie der 1950-iger Jahren in den USA entwickelt. Mangelnde Therapieerfolge bei der Behandlung von psychotischen Menschen erlaubte die Erkenntnis, dass in nahezu allen Fällen Familienmitglieder in die Problematik involviert waren. Deshalb weitete man den Blickwinkel in der Therapie auf die Familien aus.

Erstmals stand nicht mehr alleine ein Patient mit seinem Problem isoliert im Mittelpunkt, sondern der Blick wurde auf den größeren Zusammenhang, auf das Ganze, das System, in dem sich der Mensch befindet und in dem das Problem auftrat, betrachtet. Dabei rückten in den Fokus der Aufmerksamkeit die Beziehungen zwischen den einzelnen Menschen, die wechselseitigen Abhängigkeiten, Beeinflussungen und Interaktionen untereinander.

Der systemische Ansatz löste durch ein neues zirkuläres Verständnis das bisher dominante kausal-lineare Erklärungsmodell ab.

Bedeutend für die Entwicklung der Therapie sind die Annahmen des Konstruktivismus. Aus kontruktivistischer Sicht erschafft sich jedes Individuum seine Realität aus Sinnesreizen und Gedächtnisleistung selbst. Wobei diese Wirklichkeitskonstrukte durch persönliche Filter und Erfahrungen biografisch verschränkt sind. Und auch wenn wir nicht in der Lage sind, die Welt „wirklich“ zu erkennen, weil wir unsere individuelle Wirklichkeit erschaffen, so ermöglicht unser Bewusstsein unser Beobachten zu beobachten (Kybernetik zweiter Ordnung).

Systemisches Denken ist also von Konzepten wie Zirkularität und Selbstorganisation geprägt. Der Mensch wird als ein sich selbst organisierendes System verstanden, eingebettet in das System seiner Umwelt, das er wahrnimmt und von dem er wahrgenommen wird. Wenn sich ein Mensch im System ändert, ändert sich das ganze System.

Ungünstige Kommunikationsmuster oder gestörte Beziehungen innerhalb eines Systems können die Gesundheit einzelner Mitglieder beeinträchtigen. Der Fokus in der Therapie liegt aber nicht so sehr darauf, krankmachende Einflüsse zu finden, denn es wird davon ausgegangen, dass jede Störung auch einen bestimmten Zweck im System erfüllt.

In der Systemischen Therapie wird versucht, systemfördernde Verhaltensweisen, Muster und Bewertungen zu hinterfragen, umzuwandeln und so Lösungsansätze zu entwickeln.

Eigene Perspektiven können reflektiert, erweitert oder verändert werden. Durch zirkuläre Fragen oder auch Aufstellungen (Familienaufstellungen, Struktur-Aufstellungen, Systembrett) können andere Sichtweisen und Perspektiven eingenommen werden, die hilfreiches Erleben von Unterschieden erlauben, wodurch sich Lösungen ergeben. Veränderungen in einem System wirken sich dann auf alle Mitglieder aus.

Es kann jedoch nicht auf ein vorgegebenes Ziel hingearbeitet werden, sondern bestenfalls ein Anstoß für völlig ergebnisoffene, unvorhersehbare Prozesse gegeben werden.

Die Systemische Therapie arbeitet sowohl mit Familien, Paaren und Organisationen als auch mit Einzelpersonen.

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